Ich bin in Thailand. Wie so oft in einem Hostel. Umgeben von Stimmen, Rucksäcken, neuen Gesichtern und dem unermüdlichen Treiben auf den Strassen. Und trotzdem: In mir wächst der Wunsch nach meiner kleinen Wohnung zu Hause. Nach Ruhe. Nach dem Vertrauten.
Ich liebe es, Pläne über den Haufen zu werfen. Spontan weiterzuziehen oder länger zu bleiben. Nicht zu wissen, wo ich morgen schlafe. Aber gleichzeitig sehne ich mich nach Struktur, nach einem Rhythmus, nach einem sicheren Anker im Tag.
Ein Leben in Polaritäten
Je länger ich reise, desto deutlicher erkenne ich die Polaritäten in mir. Manchmal fühlt es sich an wie eine ständige innere Zerrissenheit. Widersprüche, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – und doch sind es genau diese Spannungsfelder, in denen ich mich wiederfinde.
Fernweh & das tiefe Bedürfnis nach einem zu Hause
Ich liebe es, unterwegs zu sein, Neues zu entdecken.
Und trotzdem wünsche ich mir manchmal einen festen Ort, der sich immer nach Heimat anfühlt.
Struktur vs. Freiheit
Ich brauche beides: Klare Routinen und die Freiheit, alles über Bord zu werfen, wenn mein Gefühl es verlangt.
Abenteuerlust & Reizüberflutung
Neue Orte, Gerüche, Gespräche inspirieren mich – aber sie ermüden mich auch, schneller als mir lieb ist.
Zuneigung & Angst vor Nähe
Ich sehne mich nach echter Verbindung – und ziehe mich oft zurück, wenn sie zu nah kommt.
Geselligkeit & soziale Erschöpfung
Ich liebe es, unter Menschen zu sein – und brauche genauso dringend Rückzug, um wieder bei mir anzukommen.
Helfen & selbst Hilfe annehmen
Ich bin die Erste, die zuhört, wenn jemand Unterstützung braucht – und gleichzeitig fällt es mir schwer, selbst um Hilfe zu bitten.
Sonne & Schatten
Ich liebe Wärme, Licht, lange Sommertage – aber oft sind es die ruhigen, kühlen Momente im Wald, die mir inneren Frieden schenken.
Es geht nicht ums Entweder-oder
Es geht nicht darum, diese Gegensätze aufzulösen.
Es geht darum, meinen eigenen Weg darin zu finden – die Balance zwischen den Polen.
Mal braucht eine Seite mehr Raum, in einem anderen Moment die andere.
Achtsamkeit hilft mir zu erkennen, was ich gerade wirklich brauche.
Ich darf spontan sein – und Struktur vermissen.
Ich darf mich nach Nähe sehnen – und gleichzeitig Angst davor haben.
Ich darf Geselligkeit geniessen – und mich zurückziehen, wenn es mir zu viel wird.
Diese Gegensätze machen mich nicht kompliziert.
Sie machen mich ganz.
Ich lerne, meiner Intuition zu vertrauen.
Mein innerer Kompass zeigt mir den Weg – nicht immer laut, aber immer ehrlich.
Und manchmal darf ich einfach nur fühlen.
Ohne sofort verstehen oder erklären zu müssen.


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