Seit über sieben Monaten bin ich nun unterwegs.
Gestartet in Thailand, weiter durch Malaysia, Singapur, Indonesien – und dann mit meinem eigenen Auto drei Monate durch Neuseeland. Jetzt bin ich in Australien – und zum ersten Mal spüre ich, dass ich eine Pause brauche.
Nicht, weil ich das Reisen nicht mehr liebe. Sondern, weil mein Kopf voll ist.
Vom ständigen Planen, Entscheiden, Denken. Von all den Dingen, die nicht auf Instagram auftauchen.
Mental Load – der unsichtbare Rucksack, den ich als alleinreisende Frau jeden Tag mittrage.
Allein reisen heisst auch: allein organisieren
Jeden Tag stelle ich mir Fragen wie:
- Wo verbringe ich die nächste Nacht?
- Wie komme ich dorthin – und wie lange dauert es?
- Was esse ich – und wo bekomme ich es her?
- Habe ich genug Wasser? Genug Sprit?
- Bis wann muss ich vom Stellplatz weg sein?
- Wie sieht meine Route für die nächsten Tage aus?
Und dann gibt es noch die grossen Fragen:
- Wo will ich langfristig hin?
- Wann – und ob – gehe ich zurück nach Hause?
- Und was mache ich danach?
Was niemand sieht, wenn man allein reist
Reisen wirkt oft wie Leichtigkeit und Freiheit pur – und oft ist es das auch.
Aber wenn du allein unterwegs bist, gibt es normalerweise niemanden, der kurz übernimmt.
Kein zweites Bauchgefühl, kein „Komm, ich plan das mal“.
Ich bin alles gleichzeitig: Reiseleitung, Fahrerin, Übersetzerin, Köchin, Sicherheitsbeauftragte und Ruhepol.
Und gerade als Frau macht man sich oft noch mehr Gedanken.
Ist es klug, spätabends im neuen Ort anzukommen?
Wenn ja – wie komme ich vom Bahnhof zur Unterkunft?
Kann ich dieser Person trauen?
Gehe ich meiner Abenteuerlust nach und biege in diese ruhige, enge Gasse – oder bleibe ich auf der belebten Strasse, auch wenn sie mich weniger reizt?
Diese Fragen sind subtil. Leise. Aber sie begleiten mich jeden Tag.
Und sie kosten Kraft.
Ich darf müde sein – auch unterwegs
Lange dachte ich, ich muss alles geniessen. Schliesslich bin ich an Orten, die viele nur aus Bildern kennen und von denen ich lange aus der Ferne geträumt habe.
Aber ich lerne gerade: Auch auf Reisen gibt es Tage, an denen alles zu viel wird.
An denen ich mir wünsche, einfach nur kurz zum Supermarkt zu laufen, ohne Google Maps zu öffnen.
An denen ich das Haus gar nie verlassen muss.
An denen ich Alltag vermisse – und feste Routinen.
Ich habe mich bewusst fürs Alleinreisen entschieden.
Und trotzdem darf ich sagen: Es ist nicht immer leicht. Und ich darf mir Ruhe nehmen, wenn ich sie brauche.
„Freiheit fühlt sich manchmal schwer an. Vor allem, wenn du sie ganz allein trägst.“
Fazit: unterwegs sein – mit allem, was dazugehört
Vielleicht bleibe ich noch ein paar Monate. Vielleicht länger. Vielleicht kürzer.
Ich weiss es noch nicht.
Was ich aber weiss: Allein reisen heisst nicht, alles allein tragen zu müssen.
Es bedeutet, ehrlich zu sich selbst zu sein – und auch mal langsamer zu gehen.
Pausen zuzulassen. Und zu spüren, wann genug gerade genug ist.
Wenn du auch manchmal müde bist – obwohl du eigentlich frei bist:
Du bist nicht falsch.
Du bist ehrlich unterwegs.
„Wurzellos, aber nicht richtungslos – warum ich losgereist bin“
Über den Moment des Aufbruchs, das erste Loslassen und die Suche nach etwas, das ich noch nicht benennen konnte.
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„Warum ich alleine reise – und was ich eigentlich suche“
Ein persönlicher Blick auf Freiheit, Selbstverantwortung und das Vertrauen in meine eigene Intuition.
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